Das Fediverse - dezentrale, verbundene Soziale Netzwerke

Die großen, verbreiteten, kommerziellen Vertreter von Social Media (Soziale Netzwerke), wie Facebook, Twitter, Instagram, YouTube etc. bezeichnet man auch als „Walled Garden“. Damit ist gemeint, dass man quasi „eingesperrt“ im „Garten“ des Betreibers ist. Man ist den Regeln des Betreibers unterworfen, man kann nicht „umziehen“, ist ggf. „Zensur“ ausgesetzt und die verschiedenen Systeme kommunizieren nicht miteinander.

Nun mag man sagen, diese Nachteile müsse man halt hinnehmen, schließlich seien die Dienste ja umsonst. Man bezahle doch nichts dafür.
Das ist allerdings ein Trugschluss! Man zahlt zwar nicht mit Geld, dafür aber mit einer anderen staken Währung: den eigenen Daten. Und das nicht zu knapp. Die Großen sammeln und verknüpfen jede Information, die sie bekommen können, verkaufen diese Daten oder nutzen sie selbst, um auf andere Art und Weise Reibach zu machen.

Doch es gibt eine Alternative, bei der man nicht „eingesperrt“ ist, nicht einem einzelnen Betreiber ausgeliefert und bei der man nicht selbst das Produkt ist: das Fediverse.

Das Fediverse (Federation) ist ein globales Soziales Netzwerk, das aus Knoten (Instanzen) besteht, die miteinander kommunizieren können. Jede Instanz ist die Installation einer Software, die eines der föderierten sozialen Webprotokolle unterstützt.

Die bekanntesten Beispiele für Software des Fediverse sind: Hubzilla, Mastodon, Friendica, diaspora*, Matrix, PeerTube, PixelFed, Pleroma, WordPress

Zu den Webprotokollen des Fediverse gehören ActivityPub, ZOT, OStatus, Matrix, diaspora, dfrn, XMPP und Webmention. Wenn die Software einer Instanz eines oder mehrere Protokolle unterstützt, ist eine Verbindung mit einer anderen Instanz — auch wenn sie eine andere Software betreibt — möglich, sofern diese ein oder mehrere der selben Protokolle unterstützt. So kann man mit einem Hubzilla-Account (Kanal) z.B. einem Mastodon-, PeerTube-, diaspora*-Account (und vielen anderen mehr) folgen und kommunizieren.

Viele (leider noch nicht alle) Dienste des Fediverse erlauben einem Umzug von einer Instanz zu einer anderen. Somit ist es kein Beinbruch, wenn eine Instanz ihren Dienst einstellt. Man zieht mit seinen Daten einfach auf eine andere Instanz um. Wenn man möchte, kann man sogar selbst eine Software auf einem Server installieren, der damit Teil des Fediverse wird.

Hubzilla ist hier ein Sonderfall. Es bietet die sogenannte nomadische Identität. Das bedeutet, dass man seinen Kanal generell auf mehreren Instanzen (Hubs) gleichzeitig nutzen kann. Die Kanal-Klone werden automatisch synchronisiert.

Generell kann man Hubzilla als die „eierlegende Wollmilchsau“ des Fediverse bezeichnen, da es sehr viele (vor allem die verbreitetsten) Webprotokolle unterstützt und damit Verbindungen zu den meisten Systemen erlaubt. Außerdem bietet es die umfassendste Funktionalität. Es ist am ehesten mit Facebook vergleichbar, bietet aber neben den vergleichbaren Funktionen auch noch das erstellen kompletter Webseiten, den Betrieb von Wikis, Foren, umfassende Kalender-Funktionen, Cloud-Speicher uvm. Zudem ist die Installation und Administration relativ einfach zu realisieren.

Ein weiterer Unterschied zu den Walled Gardens: der Nutzer bestimmt, was er sieht und was andere sehen können. Während SN wie Facebook oder Twitter die „Timeline“ mit Inhalten füllt, von denen sie annehmen, dass sie den Nutzer interessieren (und das dann noch so sortieren, dass man ggf. in eine bestimmte, für sie kommerziell oder ideologisch nützliche Richtung lenken), bestimmt dieser die Inhalte im Fediverse selbst. Indem man anderen Nutzern, Foren, Kanälen oder Tags folgt, füllt man seinen Stream mit den Inhalten, die man selbst sehen möchte. Geraten dadurch unerwünschte Inhalte in den Stream, so kann man dies filtern, ausblenden oder blocken.

This article was updated on 22:05:17 18.12.2020

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